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Incoterms 2020 für die Beschaffung in China: EXW vs. FOB – Risikotransfer klar regeln

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Fallstudie: Wenn die Vertragsbedingungen nicht zur Realität passen

Ein neuseeländischer Outdoor-Händler lernte es auf die harte Tour: Er glaubte, „FOB Guangzhou“ vereinbart zu haben, weil die E-Mail-Betreffzeile es so lautete. In der Praxis berechnete der Lieferant Preise auf EXW-Basis, während der Kunde alle Lager- und Terminalgebühren trug. Als sich Liegegelder häuften und Versicherungsstreitigkeiten auftauchten, stellte sich heraus: Die Incoterms stimmten nie mit den Bestellbedingungen überein. Incoterms China-Beschaffung wirken banal – bis sie zu teuren Streitigkeiten führen.

FOB Shanghai vs. Guangzhou: Geografie bestimmt Kosten und Risiko

Die Wahl zwischen FOB Shanghai und FOB Guangzhou ist keine bloße Präferenz, sondern eine wirtschaftliche Entscheidung. Shanghai eignet sich für Großschiffe, erfordert aber längere Transportwege zum Perlflussdelta. Guangzhou liegt näher an den Fabrikclustern im Delta, kürzt die Vorlaufzeiten und reduziert Terminalrisiken.

Geben Sie den benannten Verschiffungshafen unbedingt identisch in Bestellung, Rechnung und Buchungsanweisungen an. Befindet sich die Fabrik weit außerhalb des Hafenhinterlandes, entstehen oft versteckte Transportkosten, die Ihre Marge schmälern.

EXW – Freiheit mit vollem Käuferrisiko

  • EXW (Ab Werk) klingt unkompliziert: Ware abholen, laden, versenden. Tatsächlich überträgt EXW sämtliche Risiken und Kosten auf den Käufer**: die Verladearbeiten, die Exportabfertigung, Verspätungsrisiken und Lagerkosten bei Wartezeiten.

EXW eignet sich nur für erfahrene Importeure mit etablierten Speditionspartnern. Für unerfahrene Teams ist es eine finanzielle Falle.

FOB – Risikotransfer am Schiff, aber mit Dokumentationspflicht

  • FOB (Frei an Bord)** bedeutet, dass das Risiko übergeht, wenn die Ware die Schiffsreling passiert. In der betrieblichen Realität werden Container oft Tage vor dem Versand beladen. Ohne klare Dokumentation entstehen Streitigkeiten über den Schadenszeitpunkt.

Dokumentieren Sie zwingend: den Beladungsort, den Versiegelungsverantwortlichen und einen Zeitstempel der Beladung.

CIF – Versicherung: Was wirklich drinsteckt

  • CIF (Kosten, Versicherung, Fracht)** umfasst eine Versicherung – doch die Deckung ist oft unzureichend. Klären Sie Art der Police, Deckungssumme, Begünstigtenstatus und Gerichtsstand.

Minimierte Versicherungspolicen führen zu teuren Lücken bei beschädigter Ware. Verknüpfen Sie CIF mit einer klaren Vereinbarung zum Risikoübergang.

Checkliste: Incoterms-Vereinbarung zur Unterzeichnung

  • Benannter Ort/Hafen auf allen Dokumenten identisch
  • Detaillierte Aufteilung von Exportabfertigung, Transport, Terminal- und THC-Gebühren
  • Versicherungsdetails (Deckung, Begünstigter) bei CIF/CIP
  • Fotografisches Siegel- und Beladungsprotokoll mit Zeitstempel

Transport im Perlflussdelta: Versteckte Wege berücksichtigen

Im Guangzhou-Foshan-Korridor verzweigen sich die Transportwege über Zubringerhöfe und Sekundärlager. Klären Sie, ob „FOB“ Container über Binnenschiffe umfasst. Unklare Regelungen führen zu stillen Kostensteigerungen.

Canton Buying Desk: Incoterms mit der Realität abgleichen

Papierbasierte Incoterms schützen nur, wenn sie vor Ort umsetzbar sind. Canton Buying Desk hilft internationalen Einkäufern, EXW-, FOB- und CIF-Bedingungen zu prüfen und Risiken im Guangzhou-Foshan-Korridor zu mindern. Verankern Sie Ihre Kontrolle dort, wo Container beladen werden.

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Hinweis: Um die Vertraulichkeit der Kunden zu schützen, wurden bestimmte